Ran an die Arbeit!
Die allgemeine Erwerbsquote lag im Jänner 2026 bei 74,2 Prozent, jene von Menschen mit Behinderungen bei 54,1. Jede*r Zweite hat also keine Arbeit. Die Zahlen verdeutlichen, wie strukturelle Barrieren, Menschen mit Behinderungen aus dem Arbeitsmarkt drängen.

Ein Arbeitsplatz bedeutet weit mehr als die Sicherung des Lebensunterhalts. Er ermöglicht Selbstbestimmung und chancengleiche Teilhabe. Arbeit strukturiert den Alltag, bietet soziale Kontakte und trägt zur Identitätsfindung bei. Sie gibt einem das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Werkstätte statt Arbeitsplatz?
Doch der Einstieg in die Arbeitswelt gestaltet sich schwierig. Das gilt für alle, besonders jedoch für Menschen mit Behinderungen. Denn ihnen wird oftmals mit Vorurteilen begegnet. Es werden vor allem vermeintliche Defizite und Herausforderungen für das Unternehmen gesehen, nicht aber, was der Einzelne an Mehrwert bringt. Besonders bedrückend wird es, wenn Jugendliche mit Behinderungen eine Sonderschule statt einer integrativen Regelschule besucht haben. Denn darauf folgt meist die Beschäftigung in einer Behindertenwerkstätte. Nur sechs Prozent gelingt der direkte Einstieg von der Sonderschule in den ersten Arbeitsmarkt.
Dabei gäbe es ein gesetzliches Instrument, das Inklusion vorantreiben soll. Das Behindertengleichstellungsgesetz regelt, dass pro 25 Beschäftigte mindestens eine sogenannte begünstigte behinderte Person (Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent) eingestellt werden muss. Das Problem dabei: Unternehmen können sich „freikaufen“. Und so kommt es, dass von 22.434 beschäftigungspflichtigen Betrieben 76,11 Prozent die Quote nicht erfüllen.
Fit für den Arbeitsmarkt – fit für die Führung

Im Sinne der Inklusion in die Arbeitswelt fördern wir von LICHT INS DUNKEL daher Projekte, die Menschen mit Behinderungen für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. Eines davon ist das Jobfit-Programm der Diakonie. Daran beteiligen sich Personen mit dem Wunsch nach einer Integrativen Beschäftigung, also dem Tätig-Werden außerhalb der Einrichtungen. Ihnen werden Qualifikationen vermittelt, um für ihren Wunsch-Arbeitsplatz gut vorbereitet zu sein: Telefonieren lernen, Lesen und Rechnen üben, im Team arbeiten, soziale Kompetenzen trainieren, ein Verständnis für das eigene Arbeitsumfeld entwickeln, der Umgang mit Geld und vieles mehr. Gezielte Bildungsmodule vermitteln Grundwissen und Grundfertigkeiten für den integrativen Arbeitsplatz. Wir förderten das Projekt im Geschäftsjahr 2024/25.


An eine andere Gruppe von Menschen richtet sich der Lehrgang „Disability Leadership“ des Vereins Right Now. Zielgruppe sind Menschen mit körperlichen Behinderungen, psychischen Erkrankungen, Lernschwierigkeiten oder Sinnesbehinderungen sowie neurodivergente Menschen, die eine Führungsrolle übernehmen wollen. Für sie wurde im Rahmen des dreijährigen Innovationsfonds-Projekts ein universitäres Führungskräfte-Programm an der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten entwickelt (zwei Lehrgänge mit je 20-25 Teilnehmenden). Das Programm fördert Inklusion, Selbstvertretung und politische Teilhabe, um nachhaltige Führungsrollen in der Zivilgesellschaft zu etablieren. Der erste Lehrgang startete im Wintersemester 2025/26. Es hatten sich 62 Personen beworben.

Jobs in der Gastronomie für alle
Das Kaffeehaus ist ein Ort, an dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen. Und, es ist ein Ort, an dem einige der von uns geförderten Projekte Inklusion leben.

So startete im Februar 2023 die Behindertenhilfe Bezirk Korneuburg unterstützt durch unseren Jubiläumsfonds die Arbeit an einem inklusiven Café, dem Café Bunte Bohne. Noch während das Lokal renoviert und barrierefrei umgebaut wurde, übten interessierte Klient*innen der Behindertenhilfe mit Unterstützung von externen Expert*innen Tätigkeiten, die im Café durchzuführen sind. Von den Mitarbeitenden wurden methodische Unterstützungspläne erarbeitet, die vor allem über Unterstützte Kommunikation (etwa Anleitungen in leichter Sprache und mit Bildern) ein teilweise selbstständiges Arbeiten ermöglichen. Jetzt gibt es ein fixes Team, bestehend aus vier Klient*innen und drei Betreuer*innen, das das Café mit Begeisterung führt.


Das Café miteinand wird im Rahmen des Projekts InkluPartner von der Lebenshilfe Leibnitz gemeinsam mit der Bäckerei Sorger umgesetzt, um u.a. versicherungspflichtige Dienstverhältnisse sowie Ausbildungsplätze für Menschen mit kognitiven und/oder Mehrfachbehinderungen zu schaffen. Kund*innen der Lebenshilfe haben hier die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen gastronomische Erfahrungen zu sammeln, soziale Kompetenzen zu stärken und ihre Selbstständigkeit zu fördern. Ziel ist die bestmögliche Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt. Aktuell arbeiten 14 Kund*innen der Lebenshilfe in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen im Kaffeehaus. Dieses Modellprojekt dient als Vorbild für andere Unternehmen in Österreich, Inklusion aktiv umzusetzen. InkluPartner startete 2025 und wird im Rahmen des Innovationsfonds über drei Jahre hinweg gefördert.


Das Projekt „Down gemmas au“ eröffnet Menschen mit Down-Syndrom berufliche Chancen. Der Verein Hands up for down beabsichtigt ein Café mit der Anstellung von jungen Menschen mit Down-Syndrom zu betreiben. Die Mitarbeitenden erhalten eine gastronomische Ausbildung in Form einer verlängerten Lehre oder einer Teilqualifizierung. „Down gemmas au“ ist ein Schulungsprojekt, welches junge Menschen mit Down-Syndrom und ihre Angehörigen auf die Betriebsphase im Café vorbereitet. In einer angemieteten Seminarküche werden mit den Jugendlichen in förderpädagogischen Workshops Grundlagen in Backen, Reinigung, Servieren, Abrechnen und die Kommunikation mit den Gästen geübt. Wir unterstützten das Projekt 2024/25 im Rahmen der Projektförderung.

Inklusive Arbeit in Kunst und Kultur

Neben der Gastronomie ist die Kunst ein Bereich, in dem gleich mehrere Organisationen inklusive Arbeitsprojekte umsetzen. So erleichtert etwa das am Burgtheater angesiedelte Professionalisierungsprogramm JETZT! Menschen mit körperlichen, kognitiven, psychischen und/oder Sinnes-Behinderungen den Zugang zur künstlerischen Ausbildung. Denn Menschen mit Behinderungen sollen auf Bühnen, in Film und Fernsehen, in der Theater- und Tanzvermittlung, in Regiepositionen, der künstlerischen Lehre und Entscheidungsebenen im kulturellen Sektor nicht länger fehlen. JETZT! bezieht Künstler*innen mit Behinderungen als Expert*innen in eigener Sache auf allen Arbeitsebenen mit ein. LICHT INS DUNKEL unterstützt das Projekt im Rahmen der Projektförderung.


Die große Bühne steht auch den Teilnehmenden der inklusiven Theaterakademie von LebensGroß offen, wenn sie die interdisziplinäre Zertifikatsausbildung mit Körper-, Bewegungs-, Sprech- und Gesangstraining abgeschlossen haben. Neben einer praxisorientierten Ausbildung und qualitätsvollen Kooperationen (etwa mit Kunstuniversität Graz, Schauspielhaus Graz, Mezzanin Theater und Oper Graz) baut LebensGroß eine eigene Managementagentur auf, um die Künstler*innen mit unterschiedlichen körperlichen, kognitiven und Sinnesbehinderungen zu beraten, zu unterstützen und aktiv zu begleiten. Im Jänner 2024 startete die erste mehrjährige Ausbildung mit zehn Teilnehmenden, 2025 die zweite. Wir fördern das Projekt im Rahmen des Innovationsfonds über drei Jahre hinweg.


Seit mehreren Jahren schon unterstützen wir zudem das inklusive Theater Delphin über die Projektförderung. Neben jährlichen Produktionen, in denen Künstler*innen mit und ohne Behinderungen gemeinsam arbeiten, startete 2024 der erste inklusive Schauspiellehrgang „Yes, we act“, um die angehenden Schauspieler*innen noch professioneller auszubilden und ihnen die Möglichkeit der Mitarbeit bei Theater und Film zu eröffnen. Der Lehrgang bereitet die Studierenden und die im Theater tätigen Amateur*innen auf eine professionelle Ausübung der Schauspielkunst vor. Im Zentrum steht die Entfaltung der künstlerisch-schöpferischen Kompetenz der Studierenden.


Doch nicht nur die Bühne bietet Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit sich professionell künstlerisch auszudrücken. Der Firefly Club führt seit mehreren Jahren eine professionelle DJ-Ausbildung für Menschen mit Lernschwierigkeiten durch. In zwölf DJ-Schulungen lernen die Teilnehmer*innen das professionelle Auflegen bei Veranstaltungen. Das Ziel: Die DJs sollen zukünftig am freien Markt buchbar sein. Und so ist schon die Abschlussveranstaltung eine öffentliche Party in einem etablierten Wiener Club, bei der sich Menschen mit und ohne Behinderungen treffen. Wir unterstützen das Projekt seit mehreren Jahren im Rahmen der Projektförderung.

Role Models stärken Jugendlichen den Rücken
Neben konkreten Qualifizierungsmaßnahmen sind Aufklärung und Bewusstseinsbildung wichtig. integration wien zeigt in einer Serie von Kurzinterviews, dass Inklusion am ersten Arbeitsmarkt funktioniert, was sie für betroffene Jugendliche bedeutet und was ihre Vorgesetzten und Eltern dazu sagen. Die Jugendlichen mit Behinderungen, insbesondere mit Lernschwierigkeiten, agieren in den Kurzvideos als Role Models. In den Videos erzählen sie, wie es ihnen gegangen ist, als sie noch nicht gearbeitet haben, und wie es ihnen jetzt geht. Sie schildern, wie sie die Arbeit gefunden haben, was ihnen daran gefällt und wie sie unterstützt werden. Das Projekt motiviert Jugendliche mit Behinderungen, es ihnen gleich zu tun, und ermutigt Unternehmen inklusive Arbeitsplätze zu schaffen. Wir unterstützen die digitale Videoplattform im Rahmen des Innovationsfonds über drei Jahre hinweg.