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Inklusive Arbeitswelt = zukunftsorientierte Arbeitswelt

Berufliche Teilhabe darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Darüber waren sich die rund 70 Teilnehmenden aus Wirtschaft, Politik, von Behindertenorganisationen und NGOs sowie Menschen mit Behinderungen bei unserem dritten Dialogforum einig.

Ein gemaltes Willkommens-Flip-Cart zum LICHT INS DUNKEL-Dialogforum zum Thema "Inklusive Arbeitswelt = zukunftsorientierte Arbeitswelt"
© Licht ins Dunkel

Die Einstellung von Menschen mit Behinderungen führt im Unternehmen oftmals zu einem Kulturwandel zum Positiven hin. Denn von einem offenen Zugang zu Diversität profitiert die gesamte Belegschaft, egal wie groß oder klein die Firma sein mag. Vorausgesetzt es gibt von oberster Stelle ein echtes Commitment, Vielfalt als Stärke zu begreifen. Um zu diskutieren, was es braucht, damit Inklusion in der Arbeitswelt funktioniert, was vermieden werden soll, um Scheitern abzuwenden, und wie Wünsche an die Gesellschaft lauten, trafen sich die Teilnehmenden des LICHT INS DUNKEL-Dialogforums bei der Firma Rosenbauer International zu einem ergebnisoffenen Diskurs – der viele Erkenntnisse brachte.

2 Mitarbeitende von Rosenbauer International mit Gespräch mit den 2 Moderator*innen. Eine ÖGS-Dolmetscherin übersetzt. Im Hintergrund steht eine Leinwand, auf der die Live-Schriftdolmetschung zu sehen ist.
© Licht ins Dunkel

Berichte aus erster Hand

Eingangs gab Cornelia Pfeiffer, eine Gewinnerin des Literatur-Preises „Ohrenschmaus“, einen Einblick in ihre persönliche Arbeitsbiographie von einer Werkstatt in den ersten Arbeitsmarkt. Den Reigen an Impulsinterviews eröffnete Martin Pumm, ein gehörloser Mitarbeiter von Rosenbauer. Er erzählte davon, wie die Kommunikation mit Kolleg*innen auch bei Gehörlosigkeit funktionieren kann. Sein Vorgesetzter Karl Kaltenböck betonte, dass alle die Chance bekommen sollten, sich zu beweisen, wenn sie sich bewerben.

2 Mitarbeitende von Rosenbauer International mit Gespräch mit den 2 Moderator*innen. Eine ÖGS-Dolmetscherin übersetzt. Im Hintergrund steht eine Leinwand, auf der die Live-Schriftdolmetschung zu sehen ist.

Christine Eggl, eine junge Mitarbeiterin von Kellner & Kunz, möchte andere ermutigen, den Berufseinstieg über eine Teilqualifizierung und vielleicht wie sie später auch eine verlängerte Lehre zu machen. Mathias Gérard, Leiter der Nachwuchsakademie bei Kellner & Kunz, wies darauf hin, dass diese Ausbildungsformen in der Gesellschaft bekannter werden müssen. Silke Haider, die bei Silhouette als Expertin für Human Ressources arbeitet und im Rollstuhl sitzt, sprach darüber, dass ihr Weg aus dem öffentlichen Dienst in die Privatwirtschaft ein Sprung ins kalte Wasser war, dass sich der Mut jedoch gelohnt hat. Christian Altendorfer, Betriebsratsvorsitzender, Behindertenvertrauensperson und Mitglied des Aufsichtsrats bei Rosenbauer, ermutigte andere Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter selbst eine Behindertenvertrauensperson zu ernennen, denn diese habe ein ganz anderes Verständnis für Inklusion. Lena Öllinger, Ambassador for DisAbility Inclusion bei myAbility, sprach aus ihrer Erfahrung heraus, dass es viele Mythen auf Seiten der Unternehmen gibt, die es gilt aus dem Weg zu räumen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung brachten sich die Teilnehmer*innen mit Ihren Erfahrungen und Wissen an Dialogtischen ein, diskutierten Lösungsansätze, formulierten Forderungen.

Ein Tisch mit beschrifteten Post-Its. An dem Tisch sitzt unter anderem eine Frau, die gerade in ein Mikro spricht. Man sieht sie nicht zur Gänze.

Mut auf allen Seiten

An den Dialogtischen war man sich einig: Es braucht mehr Mut vor allem von Führungskräften und Unternehmer*innen, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. Aber auch von Menschen mit Behinderungen selbst, sich zu bewerben und zu zeigen, dass sie ebenso wertvolle Mitarbeitende sein können. Auf Führungsebene ist die richtige Erwartungshaltung ein großes Thema. Oft genug überwiegt die Einstellung „Es muss funktionieren“, was viele davon abhält, Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben. Doch auch die Politik und Förderstellen sind gefragt, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. So könnte es neben Strafzahlungen auch ein Belohnungssystem für Firmen geben, etwa über einen Inklusionsfonds.

Ein Tisch mit beschrifteten Post-Its. An dem Tisch sitzt unter anderem eine Frau, die gerade in ein Mikro spricht. Man sieht sie nicht zur Gänze.
© Licht ins Dunkel

Chancen geben – Möglichkeiten schaffen

Der Weg von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt endet oft schon bei der Bewerbung, da Stellenausschreibungen nicht inklusiv sind. Wer es jedoch in ein Arbeitsverhältnis schafft, merkt oft, dass Kolleginnen und Kollegen nicht vorbereitet wurden und so Berührungsängste entstehen oder verstärkt werden. Es ist wichtig, Unterstützung zu bieten, damit Menschen mit Behinderungen ihr volles Potential entfalten können.

Selbstverständlichkeit als Ziel

Mehrfach wurde betont, dass Inklusion am Arbeitsmarkt selbstverständlich werden muss und dass der Übergang in diese Normalität noch zu langsam voranschreitet. Alle Beteiligten sind bei diesem Transformationsprozess gefragt, ihre Haltung zu überdenken, allen voran Führungskräfte und Unternehmer*innen. Denn von einem inklusiven Arbeitsmarkt profitiert die gesamte Gesellschaft.

Teilnehmer*innen des Dialogforums sitzen an Tischen und unterhalten sich.
© Licht ins Dunkel

Bewusstseinsbildung im Dialog

Mit den Dialogforen leisten wir einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung und öffnen einen Diskursraum. Bei diesen Veranstaltungen beleuchten wir, vor welchen Herausforderungen Menschen mit Behinderungen in unterschiedlichen Lebensbereichen stehen und welche Lösungen es gibt. Der Blick ist dabei klar nach vorne gerichtet. Das erste Dialogforum beleuchtete den Themenkreis „Partnerschaft, Sexualität, Familie“, das zweite befasste sich mit „Freizeit ohne Hindernisse: Dialog für mehr Inklusion in Sport und Kultur“.

Teilnehmer*innen des Dialogforums sitzen an Tischen und unterhalten sich.

Die Dialogforen selbst sind Beispiele gelebter Inklusion. Sie finden an einem baulich barrierefreien Ort statt. Es gibt Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache, Live-Schriftdolmetschung und eine graphische Zusammenfassung in einfacher Sprache. Und vor allem, Menschen mit Behinderungen werden aktiv eingebunden.

Wir danken dem Team von Rosenbauer International, das uns mit ihren Räumlichkeiten, Technik, Catering und Personal großzügig unterstützt hat. Unser Dank gilt auch Barbara Sima-Ruml und Rupert Roniger für ihren fachlichen Input und die Moderation.  

Wir werden die eingebrachten Wünsche und Forderungen gerne im Austausch mit Interessensvertretungen weitergeben und sie weiter diskutieren. Hier können Sie die Abschrift der Post-Its von den Diskutant*innen an den Dialogtischen einsehen.