Impulsgebender Mehrwert für Kunstszene
Wenn Menschen mit Behinderungen künstlerisch tätig sind und vor allem wenn ihre Kunst öffentlich zugänglich ist, profitieren alle davon. Es gibt der Mainstream Kunst und Kultur vielfältige Impulse und öffnet Türen für soziale und künstlerische Inklusion.

Künstler*innen mit Behinderungen stoßen oft an eine gläserne Decke. Etwa wenn Menschen ihrem Schaffen von vornherein die künstlerische Qualität absprechen, es als „nettes Kunsthandwerk“ abtun und es ungeachtet der Ambitionen als reines Hobby ansehen. Dabei steckt in dieser Gruppe von Menschen ebenso viel künstlerisches Potential wie in der von Menschen ohne Behinderungen. Inklusive Kunst und Kultur baut diese Diskriminierung ab und trägt zu einer Demokratisierung der Künste im Allgemeinen bei. Im gemeinsamen Schaffen von Kunst egal welcher Sparte werden neue Perspektiven des Zusammenlebens experimentell entworfen.
Wir unterstützen mehrere Projekte, die das Verbindende des Kunstschaffens in den Mittelpunkt stellen. Zwei davon stellen wir hier vor. Als Leuchtturmprojekte fördern wir sie im Rahmen des Innovationsfonds über drei Jahre hinweg. Sie bieten Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, sich künstlerisch und persönlich weiterzuentwickeln, in der Kunstszene Fuß zu fassen und eröffnen Arbeitsperspektiven. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass sich die öffentliche Wahrnehmung verändert. Die Projekte sind so angelegt, dass sie nach Ablauf der Förderung durch anderwärtige Finanzierung fortbestehen können.

Theaterakademie: Bühnendarsteller*innen Perspektiven geben
„Ich will auf die Bühne.“ Dieser Satz ist die Grundmotivation der Teilnehmenden der inklusiven Theaterakademie von LebensGroß in Graz. Die Künstler*innen mit unterschiedlichen körperlichen, kognitiven und Sinnesbehinderungen erhalten eine interdisziplinäre Ausbildung mit Körper-, Bewegungs-, Sprech- und Gesangstraining. Sie werden so zu professionellen Darsteller*innen, deren Bühnenreife in einem abschließenden Zertifikat ausgewiesen wird.

In der praxisorientierten Ausbildung setzt LebensGroß auf Kooperationen. So wurde etwa in der inklusiven Lehrveranstaltung „Szenisches Forschen“ gemeinsam mit Schauspielstudierenden der Kunstuniversität Graz gearbeitet. Weitere Arbeiten entstanden im inklusiven Spielclub im Schauspielhaus Graz und auch in Kooperation mit dem Mezzanin Theater. Zudem wurde unter anderem eine Eigenproduktion in der Oper Graz zur Aufführung gebracht.

Die Theaterakademie weist aber noch eine Besonderheit auf. Sie hat eine eigene Managementagentur aufgebaut, um die Künstler*innen zu beraten, zu unterstützen und aktiv zu begleiten. Die Agentur macht die Künstler*innen sichtbar und buchbar. Und so konnten bereits erste Engagement in Theater und Fernsehen sowie Moderationen vermittelt werden.
Im Jänner 2024 startete die erste mindestens zweijährige Ausbildung mit zehn Teilnehmer*innen, 2025 die zweite. Den (jungen) Erwachsenen soll ein gleichberechtigter Zugang zum Kultursektor geboten werden. Im Austausch untereinander und mit Künstler*innen ohne Behinderungen entwickeln sie ihre eigene künstlerische Sprache.


KU·SCHA·IN – Kunst schafft Inklusion
Viele Menschen mit Behinderungen wollen sich künstlerisch ausdrücken, so auch Kund*innen der Lebenshilfe Bruck – Kapfenberg, die daraufhin KU·SCHA·IN ins Leben gerufen hat. Dieses innovative Projekt ist vieles zugleich: Arbeits-, Begegnungs- und Gestaltungsraum, aber auch Katalysator für künstlerische und persönliche Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen die Kund*innen der Lebenshilfe, die mit etablierten Künstler*innen zusammenarbeiten.


KU·SCHA·IN umfasst ein Atelier, in dem gemeinsam Kunst geschaffen wird und Workshops von Papierschöpfen über Fotografie bis kreatives Schreiben stattfinden. Es gehört aber auch eine Galerie mit Ausstellungen und Verkauf der Kunstwerke dazu. Das Besondere daran: Kund*innen der Lebenshilfe werden zu Kunstvermittler*innen ausgebildet, die daraufhin großteils selbstständig die Galerie betreiben, Veranstaltungen organisieren und Kunst vermitteln. Dafür durchlaufen sie ein eigenes Ausbildungsprogramm mit Workshops und individuellen Coachings, das mit einem Zertifikat abschließt.


Das Projekt startete im Juli 2023. Schon im ersten Jahr formierte sich eine Kunstgruppe mit neun, die KU·SCHA·IN-Band mit sieben und ein Vermittler*innen-Team mit vier Kund*innen. Die Kunstgruppe trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen künstlerischen Schaffen sowie zu Workshops mit regionalen Künstler*innen. Die Band probt wöchentlich. Und die Kunstvermittler*innen haben bereits im ersten Projektjahr die Eröffnungsvernissage selbstständig umgesetzt. Seither sind in der KU·SCHA·IN-Galerie vier weitere inklusive Ausstellungen gelaufen sowie zwei Kooperations-Ausstellungen. Fast 1.000 Besucher*innen und regelmäßige Berichterstattung zeugen davon, dass die Arbeit von KU·SCHA·IN auf großes Interesse stößt und dass die Künstler*innen einen Platz in der Mitte der Gesellschaft haben.
