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Ein Jubiläum, das nachwirkt (Teil 2)

Anlässlich 50 Jahre LICHT INS DUNKEL haben wir im Jahr 2022 den Jubiläumsfonds ins Leben gerufen und über eine Sonderausschüttung mit 10 Millionen Euro dotiert. Ein Beirat aus sieben unabhängigen Expert*innen wählte aus 111 Einreichungen 25 Projekte aus.

Gruppenbild der Künstler*innen der Lebenshilfe Salzburg im "M7 inklusive Kunst". An der linken Seite sieht man ein großes Kunstwerk aus Stoffbahnen.
© Matthias Warter

Bei der Beurteilung legte die Jury den Hauptfokus auf die inklusive Wirkung und Sozialraumorientierung der Projekte. Ihr war es wichtig, dass die geförderten Projekte einen Weg in Richtung einer inklusiveren Gesellschaft eröffnen und nachhaltig wirken. Soziale und inklusive Lösungsansätze wurden besonders gewichtet. Der Schwerpunkt lag hier auf der Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und auf bedarfsgerechter Unterstützung. Als besonders relevant erachtete die Jury die Frage der Partizipation, also das Einbeziehen der Zielgruppe in Planung und Umsetzung. Zudem wurden die Entwicklungsperspektive und die Nachhaltigkeit der Projekte beurteilt.

Ein Teil der Projekte wurde bereits im letzten Blog-Artikel vorgestellt. Die verbleibenden sieben bringen wir Ihnen hier nun näher.

Kunst – nicht nur konsumieren, sondern selbst schaffen

Mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler des Theater INNklusiv auf der Bühne. Alle tragen weiße Oberteile und schwarze Hosen. Ein Schauspieler hat das Gesicht weiß und schwarz angemalt.
© TheaterINNklusiv privat

Beim Theater INNklusiv des Vereins für invita & St. Bernhard ist die gesamte Bandbreite der Theaterproduktion inklusiv gedacht. So stehen ehrenamtliche Schauspieler*innen und Menschen mit Behinderungen der Caritas-Einrichtungen invita und der Lebenshilfe Münzkirchen als gemeinsame Theatergruppe auf der Bühne, unter der Regie und der künstlerischen Leitung professioneller Theatermacher*innen. Auch das Bühnenbild und die Ausstattung sowie die Kostüme werden gemeinsam in den Werkstätten produziert. Die Theaterstücke entstehen aus Themenwünschen der beteiligten Schauspieler*innen und spiegeln so ihr Leben wider. Wichtig ist dabei immer auch die starke regionale Verankerung des Themas. 2023 fanden die ersten Aufführungen und Workshops statt.

Mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler des Theater INNklusiv auf der Bühne. Alle tragen weiße Oberteile und schwarze Hosen. Ein Schauspieler hat das Gesicht weiß und schwarz angemalt.

Mittlerweile wurde das Theater INNklusiv auch zu Gastspielen eingeladen und für die „Lange Nacht der Bühnen“ ausgewählt. Die intensive Arbeit zeigt nachhaltig Wirkung: Die Beziehung der Teilnehmenden aus den verschiedenen Einrichtungen zur ortsansässigen Bevölkerung hat sich intensiviert und die inklusive Theatergruppe ist zu einem festen Bestandteil im Leben vieler Menschen mit und ohne Behinderungen geworden. Und so wundert es nicht, dass alle Mitwirkenden das Projekt fortsetzen möchten.

Künstlerinnen und Künstler im Atelier des "M7 inklusive Kunst". Sie stehen und sitzen an einem großen Tisch und malen.

Den Anstoß für das Projekt „Inklusive Haus der Kunst“, das heute den Namen „M7 inklusive Kunst“ trägt, hat ein Künstler gegeben, der ein Arbeitsangebot der Lebenshilfe Salzburg nutzt. In einem Atelier können dort Menschen mit und ohne Behinderungen ihre künstlerischen Fähigkeiten im regelmäßigen Austausch mit anderen Kunstschaffenden entdecken und ausleben. In Workshops, die auch von Klient*innen der Lebenshilfe geleitet werden, probieren sie unterschiedliche Techniken aus, finden ihren eigenen Stil und entwickeln sich weiter. Neben dem Atelier umfasst das „M7 inklusive Kunst“ eine Galerie, in der Werke zum Verkauf angeboten werden, sowie ein Café, in dem Ausstellungen (auch von externen Künstler*innen) stattfinden.

Künstlerinnen und Künstler im Atelier des "M7 inklusive Kunst". Sie stehen und sitzen an einem großen Tisch und malen.
© Matthias Warter

Gerade die Vernissagen und Kunstverkäufe tragen zum Selbstverständnis der Lebenshilfe-Künstler*innen bei und bewirken, dass sie von der Gesellschaft als solche wahrgenommen werden. Im „M7 inklusive Kunst“ arbeiten Künstler*innen mit und ohne Behinderungen heute selbstverständlich zusammen und schaffen Kunst auf hohem Niveau, die auch außerhalb der eigenen Räumlichkeiten ausgestellt wird. Zwei der Lebenshilfe-Künstler*innen sind geringfügig als Atelierassistenten beschäftigt.

Barrierefreiheit breit gedacht

Gruppenbild von der Zertifikatsverleihung der Event-Checker:innen der Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg.
© Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg

Menschen mit Behinderungen möchten gerne am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Doch oft genug stoßen sie dabei auf Barrieren. Im Projekt Event Checker:innender Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg besuchen Menschen mit Behinderungen Veranstaltungen, Ausflugsziele, Wanderwege und öffentliche Gebäude und führen dort Barriere-Checks durch. Diese zeigen neben den Barrieren auch Stärken auf und geben Empfehlungen ab. Doch damit allein ist es nicht getan. Die Event-Checker*innen laden Entscheidungsträger*innen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu gemeinsamen „Barriere-Walks“ ein. Denn nur so nehmen diese Hürden hautnah wahr und erkennen sie zukünftig leichter.

Gruppenbild von der Zertifikatsverleihung der Event-Checker:innen der Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg.

In einem weiteren Qualifizierungsschritt wurden Menschen mit Behinderungen zu Eventmanager*innen ausgebildet: Sie erlernten, wie man eine inklusive Veranstaltung selbst entwickelt, organisiert und umsetzt. Schließlich wurde ein Teil der Projektteilnehmer*innen als Peer-Trainer*innen qualifiziert. In dieser Funktion geben sie ihr Wissen an andere Menschen mit Behinderungen weiter. Durch das Projekt haben sich Menschen mit Behinderungen als Kompetenz- und Know-how-Träger*innen für Barrierefreiheit in der Region etabliert. Das Projekt wird innerhalb der Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg weitergeführt.

Sieben junge Menschen mit und ohne Behinderung beim Seilziehen im Freien

Für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist nicht nur der gemeinsame Besuch von Veranstaltungen, sondern auch die gemeinsame sportliche Betätigung wichtig. Sportvereinen kommt daher eine große Bedeutung für das Gelingen funktionierender und inklusiver Sozialräume zu. Doch Menschen mit Behinderungen finden oft keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten, in ihrer Freizeit Sport zu treiben, um sich fit zu halten, gesund zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Um dem entgegenzuwirken, hat LebensGroß mit SPORT.FINDER eine barrierefreie Webplattform in einfacher Sprache entwickelt, an deren Umsetzung ein inklusives Projektteam arbeitet, in dem auch zwei Mitarbeiter*innen mit Behinderungen angestellt sind.

Sieben junge Menschen mit und ohne Behinderung beim Seilziehen im Freien
© LebensGroß | Silke Traunfellner

Anfangs listete die Seite Sportangebote für Menschen mit Behinderungen nur in der Steiermark, mittlerweile wurde das Projekt auf Kärnten, das Burgenland und Wien ausgeweitet. Die SPORT.FINDER-Plattform präsentiert rund 60 Sportarten von Klettern über Schwimmen bis Schach. LebensGroß setzt in seiner Arbeit auch auf die Beratung und Fortbildung von Vereinen und Trainer*innen durch inklusive Projektteams mit dem Ziel, dass diese inklusive Angebote entwickeln.

Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen für alle

Teilnehmer*innen eines Sensibilisierungsworkshops in der Volkshochschule Salzburg. Eine Frau sitzt in einem Rollstuhl, eine andere trägt eine Augenmaske.
© Volkshochschule Salzburg

Mit dem Projekt S.I.N.N. erleichtert die Volkshochschule Salzburg Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Lernschwierigkeiten den Zugang zu Erwachsenenbildung. Das Projekt basierte auf vier Säulen, deren Anfangsbuchstaben den Namen ergeben: Sensibilisierung, inklusive Bildung ermöglichen, Netzwerke stärken und nachhaltige Teilhabe leben. Im Sinne der Sensibilisierung wurde ein Lehrgang für Kursleitende entwickelt, der nun auch als E-Learning-Modul zur Verfügung steht. Dieser bestärkt sie methodisch und didaktisch, um Inklusion im Kontext von Erwachsenenbildung zu ermöglichen. Außerdem wurde ein Buddy-System eingerichtet, bei dem Unterstützungspersonen bei einem Kurs kostenlos begleiten können. So werden Hürden überwunden.

Teilnehmer*innen eines Sensibilisierungsworkshops in der Volkshochschule Salzburg. Eine Frau sitzt in einem Rollstuhl, eine andere trägt eine Augenmaske.

Im Rahmen des Projekts wurden zudem bestehende Bildungsangebote für Menschen mit Behinderungen sichtbarer gemacht und der Zugang zu diesen verbessert. Insgesamt trug das Projekt dazu bei, individuelle Situationen besser zu berücksichtigen und Zugangsbarrieren abzubauen. Die Volkshochschule Salzburg wird nun als Partnerin für entsprechende Angebote wahrgenommen. Eine Inklusionsbeauftragte achtet darauf, dass der inklusive Gedanke auch zukünftig weitergelebt wird.

Arbeit, die erfüllt und selbstständig macht

Bestehende Arbeitsmarktinitiativen für Menschen mit Behinderungen haben meist eine Anstellung zum Ziel. AED (Association of Entrepreneurs with Disabilities – Austria) richtet sich mit „SELBSTverständlich SELBSTständig. Initiative für Menschen mit Behinderungen auf dem Weg ins Unternehmertum“ an Menschen mit Behinderungen, die aus einem Angestelltenverhältnis oder der Arbeitslosigkeit heraus den Schritt in die Selbstständigkeit überlegen. AED bietet ihnen Berufsorientierung, grundlegende Informationen und weiterführende Schulungen auf dem Weg zur Unternehmerin bzw. zum Unternehmer. Abgerundet wird dieses Angebot durch begleitendes Mentoring. Im zweiten Projektjahr fanden im Rahmen von „SELBSTverständlich SELBSTständig“ sechs Informationsveranstaltungen für an einer Unternehmensgründung interessierte Menschen mit Behinderungen statt, sowie vier Kurse für jene in der Phase der beruflichen Neuorientierung. Im gesamten Förderzeitraum nahmen rund 150 Personen an derartigen Veranstaltungen teil.

Mitarbeitende des Café Bunte Bohne, das von der Behindertenhilfe Korneuburg betrieben wird, vor dem Eingang zum Café. Alle tragen ein schwarze T-Shirt und eine grüne Schürze. Ein Mitarbeiter stützt sich auf einen Rollator.

Im Herbst 2023 eröffnete in Korneuburg das inklusive Café Bunte Bohne. Dort arbeiten Klient*innen der Behindertenhilfe Bezirk Korneuburg gemeinsam mit Mitarbeitenden. Neben der Schritt­-für-Schritt-Anleitung durch das Betreuungspersonal helfen den Klient*innen unterschiedliche Hilfsmittel der Unterstützten Kommunikation. Dabei werden Tätigkeiten in Einzelschritte dargestellt und in Leichter Sprache sowie mit Bildern verständlich erklärt. So können die Klient*innen Aufgaben wie das Aufnehmen von Bestellungen, das Zubereiten von Speisen und Getränken oder die Reinigung des Lokals selbstständig durchführen. Nicht zuletzt die selbstgebackenen Mehlspeisen haben dazu beigetragen, dass sich das Café „Bunte Bohne“ einen guten Namen gemacht hat.

Mitarbeitende des Café Bunte Bohne, das von der Behindertenhilfe Korneuburg betrieben wird, vor dem Eingang zum Café. Alle tragen ein schwarze T-Shirt und eine grüne Schürze. Ein Mitarbeiter stützt sich auf einen Rollator.
© Behindertenhilfe Korneuburg

Der inklusive Charakter wird von Gästen, Nachbar*innen und vor allem auch von den Klient*innen sehr geschätzt. Die Klient*innen haben durch ihre Arbeit an Selbstständigkeit gewonnen und auch in ihrem Selbstvertrauen und ihrer Selbstsicherheit einen großen Schritt nach vorne gemacht.