Chancengerechte Bildung für alle
Viele Kinder benötigen Hilfe, um die Schule zu bewältigen. Doch nicht alle Eltern können sie entsprechend unterstützen, sei es persönlich oder durch Nachhilfe. Daher fördern wir Projekte, die Bildungsungleichheiten abbauen und Kindern Chancen eröffnen.

In Österreich wird die Bildungskarriere junger Menschen immer noch wesentlich durch Herkunft, Einkommen und den Bildungsgrad der Eltern bestimmt. Sprachliche Barrieren, ein niedriges Bildungsniveau der Eltern und fehlende finanzielle Mittel für Nachhilfe wirken sich negativ auf das schulische Fortkommen von Kindern aus – unabhängig von ihrer Motivation. Dabei ist Bildung ein wesentlicher Schlüssel zu erfolgreicher Integration und sichert die berufliche Zukunft.
Wir setzen uns dafür ein, dass möglichst viele Kinder die individuelle Lernförderung erhalten, die sie benötigen, um ihre Talente entfalten zu können. Daher unterstützen wir Projekte, die direkt in Schulen angesiedelt sind. Aber auch solche, die am Nachmittag Lernunterstützung bieten, damit Kinder ihre ganz persönlichen Schwierigkeiten überwinden und durch Lernerfolge Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein erlangen können. Gleichzeitig fördern diese Projekte die kulturelle, sprachliche und soziale Kompetenz der Kinder und führen sie zu mehr Selbstständigkeit. Kurz gesagt, sie begleiten ihre Persönlichkeitsentwicklung. Alle von uns geförderten Projekte verfolgen den Ansatz, die persönlichen Ressourcen der Kinder und Jugendlichen für ein selbstbestimmtes Leben zu stärken.
Viel mehr als nur ein Raum zum Lernen

Die LernLEOs des Arbeiter-Samariter-Bundes Wien unterstützen Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, die keine ausreichende Hilfe erhalten, um ihre schulischen Herausforderungen zu bewältigen. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende helfen den Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben, lernen mit ihnen für Schularbeiten und Prüfungen und vermitteln ihnen hilfreiche Lern- und Konzentrationstechniken. Im Schuljahr 2022/23 hat das NPO-Kompetenzzentrum der WU Wien den Social Return on Investment (SROI) der LernLEOs errechnet und kam auf einen Wert von 22,09: Jeder investierte Euro entfaltet eine Wirkung im Gegenwert von 22,09 Euro.


Im Grazer Stadtteil Eggenberg ist der Bedarf an Lernunterstützung besonders für Kinder im Volksschulalter groß. Aus diesem Grund haben die Pfarre Graz/St. Vinzenz, die Vinzenzgemeinschaft VinziWerke Österreich und das Rote Kreuz Steiermark gemeinsam das Lernhaus Eggenberg eingerichtet. Die Kinder werden dabei in Absprache mit der Schule und den Eltern ausgewählt. Im Lernhaus arbeitet ein Team aus qualifizierten pädagogischen Fachkräften des Roten Kreuzes, das von freiwilligen Lernbuddys, Lesepat*innen sowie Mitarbeiter*innen im Freiwilligen Sozialen Jahr unterstützt wird. Neben der qualifizierten und kostenlosen Lernunterstützung umfasst das Angebot Hausaufgabenbetreuung, Vorbereitung auf Tests und Schularbeiten, Elternarbeit, Berufsorientierung, Deutschförderung sowie Freizeitpädagogik.

In Vorarlberg bietet Rettet das Kind eine Lernbegleitung an, bei der Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren betreut werden. Somit deckt sie den gesamten schulischen Werdegang ab, von der Volksschule bis zur Matura. Neben klassischer Nachhilfe erhalten die Kinder und Jugendlichen bei besonderem Förderbedarf Unterstützung, beispielsweise bei Legasthenie, Dyskalkulie, AD(H)S oder einer Autismus-Spektrum-Störung. In Tirol leistet Rettet das Kind über das Projekt „Nachhilfe“ eine Zuzahlung zu einer solchen, da die Kosten gerade für einkommensschwache Familien oder Alleinerziehende nur schwer zu stemmen sind. Das Projekt erstreckt sich über das gesamte Bundesland, um auch jungen Schüler*innen auf dem Land Zukunftschancen zu eröffnen.
Vertrauensvolle Beziehungen über Generationen hinweg

Das „OMA/OPA-Projekt – Allianz der Generationen“ füllt in Familien mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund die Lücke der meist fehlenden Großelterngeneration. Das niederschwellige Projekt bietet in Wien, Amstetten und Krems eine kontinuierliche Lernbetreuung durch ein und dieselbe Bezugsperson, in der Regel eine Seniorin oder ein Senior. In einer 1:1-Betreuung wird Deutsch gelernt und Lernhilfe geboten. Dabei entstehen Beziehung und Vertrauen. Gleichzeitig wird die gesellschaftliche Integration der Kinder und ihrer Familien unterstützt. Im geschützten Rahmen treffen sich die generationsübergreifenden Lernpaare zweimal wöchentlich für zwei Stunden in den Projekträumen des Vereins NL 40.

Wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist

Auch die von uns unterstützten Lerncafés der Caritas in Linz, Steyr und Hallein schließen eine Lücke im Bildungssystem. Die kostenlose Lern- und Nachmittagsbetreuung richtet sich insbesondere an armutsgefährdete Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 15 Jahren mit Migrationshintergrund. Im Sinne einer Elternbildungspartnerschaft werden auch die Erziehungsberechtigten zu regelmäßig stattfindenden Elternabenden eingeladen, um sie in den Lernerfolg ihrer Kinder miteinzubinden. Im Gebiet Niederösterreich West wiederum bietet die Caritas mit dem Pilotprojekt LernMobil ein besonderes Angebot: Armutsgefährdete Kinder, die aufgrund fehlender Mobilität kein stationäres Förderangebot besuchen können, erhalten Lernunterstützung zu Hause.

In Salzburg gibt es ein Projekt, das sich mit seiner außerschulischen Förderung explizit auch an Kinder und Jugendliche richtet, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Der Verein „teilweise. Evangelischer Verein zur Förderung Offener Jugendarbeit im Salzburger Süden“ betreibt mit dem Projekt „teilweise LICHT im Süden“ einen Kinder- und Jugendtreff, in dem unter anderem Lernhilfe angeboten wird. Junge Geflüchtete oder Vertriebene oder Kinder mit Migrationshintergrund erhalten dort Unterstützung bei den Hausaufgaben, beim Lernen, aber auch beim Erlernen der deutschen Sprache.

Die Lernbetreuung „Büffelböcke“ bietet seit 2017 Kindern mit Fluchthintergrund eine tägliche, individuelle Lernförderung und ein erweitertes deutschsprachiges Umfeld, das ihnen außerhalb der Schule oft fehlt. Neben dem schulischen Erfolg zielt die kostenlose Lernbetreuung auch auf die Integration der Kinder und ihrer Familien in die österreichische Gesellschaft ab. Das Angebot umfasst nicht nur die reine Wissensvermittlung: Die Kinder, die direkt nach der Schule ins Ute Bock Bildungszentrum kommen, erhalten dort täglich eine Jause. Sie treffen hier ihre Freund*innen und bekommen durch kulturelle und sportliche Angebote sowie spannende Workshops zusätzlichen Input. Wir fördern die „Büffelböcke“ aus den Mitteln des Soforthilfefonds.
